TRICKY, YELLO, ROISIN & Co. - ELECTRO - SEVEN

 

 

1 slide 10 20 Electro

yello - point

Polydor / Universal

electro 20 10 Yello

Boris B. & Dieter M. haben es wieder getan. Solider Punktestand zum Vierzigsten: Point.

https://point.yello.com Play Tracks 1,4,7. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oh Yeah. 40 Jahre sind die Schweizer Elektro-Experimentatoren Boris Blank & Dieter Meier (anfangs noch komplettiert vom Kollegen Carlos Peron) als Yello unterwegs. Nach ihrem Comeback mit Toy von 2016 und den folgenden, für das Duo neuen Live-Aktivitäten begehen Meier & Blank das Jubiläum mit ihrem mittlerweile 14. Studioalbum. Point springt mit dem Uptempo-Nonsense von Waba Duba, einem mehr als augenzwinkernden Bostich-Selbst-Zitat, gleich hinein ins Vergnügen, dass die munteren Kraftwerk-Reminiszenzen und sonstigen Blank´schen Sound-Verrücktheiten in Kombination mit Meiers Trademark-Geraune in Abständen immer noch bieten. Weitere Beispiele dafür sind Out of Sight oder Arthur Spark (Achtung Wortspiel), die direkt im Anschluss folgende Hommage an ein weiteres, manches Mal gar nicht allzu fernes musikalisches Terrain beackerndes, legendäres Duo. Bei anderen der hier versammelten 12 Titel übt sich vor allem Blank in klanglich superben, Soundtrack-affinen Fingerübungen, aus denen Fans sich gleich mehrere The Race-Zitate zusammensuchen können.

tricky - fall to pieces

False Idols / Indigo

electro 20 10 Tricky

Fall To Pieces - Tricky verarbeitet den Verlust seiner 24-jährigen Tochter: "Baby girl she knew me most." www.trickysite.com

 TIPP
 

2019 war ein schmerzhaftes Jahr für den Vater Adrian Thaws. "Ich habe noch nie so geliebt, und ich habe es erst gemerkt, als sie nicht mehr da war." Thaws´ Tochter Mazy starb mit nur 24 Jahren - diese schwerste vorstellbare Lebens-Prüfung bewältigt der Künstler Tricky nun unter anderem mit dem Blues Hate This Pain, einem der zentralen Tracks des neuen Albums Fall To Pieces, wie der Vorgänger Ununiform produziert in Berlin. In weiteren acht, gemeinsam mit Sängerin Marta Złakowska, meist als Duett geschriebenen Stücken, bleibt sich Tricky ebenfalls treu, mit großteils langsamen, angedüsterten Mantren. Eine offenbar gehaltvolle Zusammenarbeit - Złakowska hatte die Chance ergriffen, als der Trip Hop-Veteran anlässlich eines Tour Opening Gigs ohne eingeplante Sängerin dastand. Für zwei weitere Songs tritt allerdings die junge dänische Künstlerin Nanna Øland Fabricius (*1985) aka Oh Land ans Mikro und in der Folge verströmen Running Off & insbesondere I´m In The Doorway den deutlichsten Pop-Appeal. Doch obwohl erklärtermaßen noch im Trauer-"Kampfmodus", zerfällt Trickys aktuelles Werk nicht im Dunkel, sondern bietet auch Raum für Licht.

 

Groove armada - edge of the horizon

Bmg Rights Management / Warner
 

 

electro 20 10 Groove Armada 2

Noch ein Duo: die Groove Armada-Masterminds Tom Findlay & Andy Cato. Play Tracks 1,3,4,7,11. https://groovearmada.com

 Auch schon zehn Jahre sind ins Land gegangen, seit es zuletzt neues Studiomaterial von Tom Findlays & Andy Catos Grammy-dekoriertem Dance-Projekt Groove Armada zu vermelden gab. Auf Edge Of The Horizon versammelt das Duo aus Cambridge erneut Gast-Vokalisten in beachtlicher Trupenstärke: so etwa Nick Littlemore (Empire Of The Sun, Pnau) für den programmatischen Uptempo-Opener Get Out On The Dancefloor und das an Nummer drei gesetzte, eingängige Tripwire. Mit We're Free (feat. Roseau) wird dann auch eine Ballade eingestreut. Weiter zu vernehmen: James Alexander Bright (IK7), Jess Larrabee (She Keeps Bees), Paris Brightledge (Sterling Void), Kerry Leatham (Lapalux` Without You) oder Dancehall-Größe Red Rat. Als Begleit-Musiker kommen alte Bekannte wie Gitarrist George Vjestica (auch bei Nick Cave & The Bad Seeds), der momentane Live-Drummer Martin Carling und Mitglieder von Catos englisch-französischer Rockband Days Of May hinzu. Kein Mega-Hit in Sicht, aber für viel UK-Airplay sollte es reichen.
 

inwards - bright serpent

Small Pond Recordings / Rough Trade
 

Die modularen Synthies von Skateboarding liefern einen feinen Einstieg für Bright Serpent, das aktuelle Album des britischen Multi-Instrumentalisten & Produzenten Kristian Shelley aka Inwards. Nach dem von der UK-Fachpresse hochgelobten Debüt Diesel von 2018 und der Feelings Of Unreality-EP liefert Shelley hier mehr von seinen durch verzerrte `echte´ Instrumente & Field Recordings garnierten Midtempo-Electro-Experimenten, die diesmal gar in einer eigens gebauten Aufnahme-Hütte entstanden. Shelleys Finesse besteht auf seinem vorliegenden, zweiten Longplayer darin, die Hörer peu a peu in sich unspektakulär gebende, von geradezu banal pluckernden Rhythmusgeräten flankierte Synthie-Instrumentals zu verwickeln.

Play Tracks 1,3,4,6.

Web-Präsenz

 

electro 20 10 BrightSerpent

Nüchtern verpackte Electro-Instrumentals
 

gundelach - my frail body

U Ok? / RoughTrade

 

Forskellige Steder - mit an "verschiedenen Standorten" aufgenommenen, durch sanfte Elektronikklänge angereicherten Field Recordings beginnt My Frail Body, das zweite Album des Norwegers Kai Gundelach. Mit seinem Debüt Baltus (2016) ließ der Künstler aus Oslo, der schon Edvard Munch-Gemälde vertont hat, vor allem in Skandinavien aufhorchen (und erhielt zwei norwegische Grammy-Nominierungen). Mit dem im Frühjahr mitten in die erste Corona-Phase hinein veröffentlichten Nachfolger will er es heuer auch international wissen. Sein vom NME als `Electro Noir´ gelabelter Sound verbindet aktuell introvertierte Lyrik und melancholisch getragene (englische) Vocals mit ruhiger bis melodramatischer Prophet-, Moog- & Korg-Elektronik sowie eigens aufgenommenem Vogelgezwitscher aus einem niederländischen Naturschutzgebiet. All das ist Ausdruck von Gundelachs Auseinandersetzung mit der Verbindung von Mensch und Umwelt. Gäste im Studio: Bendik HK & AURORA, letztere auf dem Track mit dem meisten Pop-Appeal, Cynical Mind. Sonst viel neue nordische Besinnlichkeit eines frisch gebackenen Vaters - passend zum Herbst. Web-Präsenz 

electro 20 10 Gundelach

My Frail Body - Das Cover stammt von Marie Steffensen.

 

christopher von deylen - colors

Sony Masterworks

Der Platin-Großbuchstaben-Hallklangeintopf aus dem Hause SCHILLER hat an dieser Stelle bisher nur im Nebensatz stattgefunden, gerade weil die seit einigen Jahren verbliebene maßgebliche Hälfte des Großraumdisko-Projekts, Christopher von Deylen, eh mit jedem Release auf Nr. 1 der Charts abonniert war. Der Album-Vorgänger, für den Sony 2019 extra zum Schiller-Jahr ausgerufen hatte, liegt noch gar nicht lang zurück, da weitet vD den Blick über das Studio- und Mehrzweck-Hallen-Habitat hinaus. Bzgl. des schon wieder neuen, aber unter Klarnamen bei Sony Masterworks für die Monatsmitte avisierten Colors vernimmt man: "Dem Ganzen liegt Natur zu Grunde." Schon für Morgenstund hatte sich zur Deylen ja an den Baum des Lebens herangepirscht. Nun, "am norddeutschen Waldrand angekommen", gelingt laut Waschzettel eine "Tinktur aus (lange nicht zugetrauten) analogem Piano und elektronischen Sequenzen" - diverse Wiederholungen inbegriffen. Nach der vorausgegangenen Koop mit Lang Lang hallen mittlerweile also auch schwarz-weisse Tasten in der weiter kräftig schiller´nden, nur etwas entschleunigten, Chillout-Sound-Wand. Wer´s mag, kann zu einem der der kommerziellen Dimension entsprechend aufgemotzten Packages incl. Deluxe-Live-CD und/oder Blu-ray greifen.

electro 20 10 Colors

"Nah, gewaltig, leise und laut." Beliebig bunter Klangfarbenhall mit dem Christopher von Schiller... * Stand heute: Im April ´21 auf zuvor verschobener Club-Tour durch die Schweiz, Österreich & Deutschland * www.schillermusic.com *

RÓisÍn murphy - RÓisÍn machine

Skint / BMG / ADA

electro 20 10 Roisin Murphy

Murphy’s Law - Disco geht immer.  Rósín Machine in Full Length.

www.roisinmurphyofficial.com * Play Tracks 1-3,7, 9, 10.

 

TIPP

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aller guten Dinge sind fünf. Nach Hairless Toys (2015) und dem sperrigeren Take Her Up To Monto (2016) tut sich Ex-Moloko-Frontfrau Róisín Murphy aktuell mit dem befreundeten Produzenten Richard Barratt aka Crooked Man für ein zugängliches, zeitloses (Neo-)Disco- & House-Album zusammen. Mit reichlich 70er & 80er Referenzen bei Tempo 120 natürlich, inklusive Hanclapping, Gitarrenlicks, jubilierenden Streichern, pumpenden Bässen sowie Netzshirt- und Dauerwelle-Cover (bei Aufklappen der Cd mehr dazu von Mode-Ikone RM. Deren Rósín Machine versammelt fünf bereits früher, in unterschiedlichem Kontext veröffentlichte Tracks (Der massive Opener-Stomp Simulation, das mit Chören aufwartende Kingdom of Endz, Incapable, Narcissus und Murphy`s Law sowie das abschließende Jealousy. Weiter im Angebot: fünf ganz neue Songs wie Shellfish Mademoiselle, We Got Together oder Something More.

© Cinesoundz 10-2020