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REVIEWS POP 02-2019

 

 


 

1 slideful Pop

Sleaford Mods - Eton Alive

Extreme Eating / Cargo

pop 02 19 Sleaford Mods

Achtung Wortspiel: Eton Alive der notorischen Sleaford Mods. Keine Textbeilage, aber eine Reihe p.c.-Adressen von refuge- bis warchild.org., "dedicated to our European sisters and brothers." https://sleaford-mods.myshopify.com * Fleissig am Touren, vorerst aber nur im UK.

 TIPP
 

"Shut up, I´ll talk." Alarm im Pub, nicht nur von wegen Brexit-Chaos. Zum Einstieg mit einem schwächeren Track noch Zweifel, doch: es hat sich offensichtlich immer noch nicht totgelaufen, das Insel-Entertainment à la Sleaford Mods. Auch auf dem neuen, per bandeigenem Label Extreme Eating veröffentlichten Album Eton Alive haut Jason Williamson jede Menge deftiges Working Class-Lamento gegen die Verblödung des britischen Wahlvolkes raus - wie gehabt zu Postpunk-Wühlbass & reduzierten Computer-Beats der Marke Andrew Fearn. Immer wenn man meint, das Ganze wäre nach nunmehr fünf Longplayern doch allmählich ausgereizt, sorgen kleine Variationen des Duos aus Nottingham wieder für interessiertes Kopfnicken. "...we exit the Arse of Rule & fall into the toilet again, in the shit pipe of this tatty civilization." Kein Toilet Paper vorm Mund. Offenbar lässt sich der Inselwahnsinn Anno 2019 mit diesen Tiefschlägen in den kapitalistischen Verdauungstrakt wirklich besser ertragen. Play Tracks 2-5,9,11.

rhonda - you could be home now / Caz Gardiner & the Badasonics

Popup-Records / Soulfood * Badasonic Records

1 Rhonda

You Could Be Home Now. Aber wo ist zu Hause? Rhonda greift nach den Sternen. http://rhondamusic.com

 

1 Gleich vorweg - an dieser Stelle hat das ab Januar allüberall hochgelobte Rhonda-Album weniger eingeschlagen. Ja, im Retro-Soul allein wollte die schon früh von Paul Weller geadelte Hamburger Band um Sängerin Milo Malone nicht schmoren. Man streckt die Fühler aus, in Richtung große Leinwand (die verhallt-tiefen Twang-Akkorde in Instrumental-Intro & Outro), in Richtung Neo Chanson (Baby) oder in Richtung Garage (beim unter vollem Einsatz anrührend gesungenen Habits). Dennoch scheint man in diesem Gemischtwarenladen weder so recht angekommen, noch das für MM, aus der auch in L.A. stimmlich keine Amy Winehouse geworden ist, passende Genre gefunden zu haben. Das ganze Lee Hazlewood-Oeuvre scheint man auf der Suche abgegrast zu haben und landet schließlich des öfteren bei unentschieden-angedüstert-balladesken Genre-Hybriden, die andere Europäer wie Maarten Devolderes Warhaus stimmiger hinbekommen.

2 Bluebeats from Belgium! Soulröhre Caz Gardiner aus Washington DC verschlug es unlängst mitten unter die belgischen Retro-Musikanten des Badasonic-Labels um Drummer & Produzent Nico Leonard, als Moon Invaders oder Caroloregians zuvor gern gebucht, wenn jamaikanische Vokalgrößen wie Ken Boothe oder Lee `Scratch Perry´ solo über Charleroi einfliegen. Gemeinsam frönen die `Wammie´(Washington Area Music Association)-prämierte Wuchtbrumme und ihre wallonische Hintermannschaft nun als Caz Gardiner & The Badasonics einer gepflegten Sixties-Mischung aus amerikanischem Soul & blue-eyed-Rocksteady, die auf dem selbstbetitelten, (nur) als Vinyl erhältlichen Debütalbum bestens funktioniert. Anspieltipp: das grandios verschleppte Be Good (Track 2). Um die auch sonst wohlgeratene Vintage-Soulsteady-Mixtur aus Leonards Pum Pum Hotel-Studio nun auch live einer erklecklichen Fanmenge darzubieten, muss sich nur noch die fürs Frühjahr angekündigte Tour durch deutsche Lande materialisieren. Keep the good news coming. * Badasonics-Webpräsenz *

VINYL ONLY
TIPP
LIVE

pop 12 18 caz gardiner

Live zunächst zu erleben auf dem Freedom Sounds Festival in der Kölner Essigfabrik - am 27. April. More Gigs, please...

Blood Red Shoes - Get Tragic / audiobooks - Now (in a minute)

Jazz Life / Rough Trade * PIAS - Heavenly Recordings / beide: Rough Trade

1 Die Blood Red Shoes aus Brighton sind keine Neulinge im Geschäft. Laura Mary-Carter (git,voc.) & Steven Ansell (drums, voc.) standen nach den auf ihr 2014´er Album folgenden Konzerten gar vor der Auflösung ihres Duos. "We fuckin´ hated each other", meint Ansell frisch von der Leber weg. Offenbar haben die beiden diesbezüglich die Kurve gekriegt, kurz nach Release ihres fünften Studioalbums Get Tragic waren die `Shoes´ auch in Deutschland wieder zweimal live zu hören - laut Waschzettel zumindest, "frischer und sicherer als je zuvor." Was da unter der synthie-affineren Ägide von Produzent Nick Launay herauskam, ist weniger minimal als in den Indie-Rock-Anfängen des Duos, kann aber an dieser Stelle weniger als bei der Leitpresse überzeugen. Mal sehen, wie sich Mary-Carter & Ansell beim kommenden PULS Open Air schlagen werden. BR Shoes - das passt ja schon mal... Am 31.5. ist es soweit ( am 1.6. dann in Dortmund, Way Back When) - ab Mitte Juli bisher zwei Sommerfestivals in Norddeutschland.

LIVE
 
 

pop 02 19 Blood Red Shoes

www.bloodredshoes.co.uk

2 Das aus Texterin-Chanteuse Evangeline Ling und Elektro-Produzent David Wrench gebildete Pop-Duo mit dem recherche-erschwerenden Platzhalter-Namen audiobooks ist da vergleichsweise jüngeren Datums - noch geht man sich nicht auf die Nerven. Genug kreative Reibung - nicht nur optisch - scheint es jedoch zwischen der Kunststudentin und dem Waliser Mixer zu geben, um tatsächlich - wie bei Friends in the Bubble Bath oder dem lebhaft-hüpfenden Dance Your Life Away immer mal wieder tauglichen Pop entstehen zu lassen, obgleich auch hier Human League nicht weit sind. Die surrealen, individuell und teils mit verfremdeter Stimme vorgetragenen Texte werden sonst bevorzugt mit schrägen Analog-Synthies instrumentiert. Mal passt das, mal wirkt es eher wie ein skizzenhaft-unausgegorenes Happening. Play Tracks 2,4,7.

http://heavenlyrecordings.com/artist/audiobooks

 

pop 02 19 audiobooks

März-Tour (nur) im UK & Holland.

The Wave Pictures- Look Inside Your Heart / connan mockasin-Jassbusters

Moshi Moshi / Rough Trade * Mexican Summer / Alive

1 Ende letzten Jahres lieferten die britischen The Wave Pictures mit Look Inside Your Heart das versprochene zweite Album innerhalb von 12 Monaten. Nach dem eher introspektiven Brushes With Happiness agiert der notorisch leidend-leiernde, flankiert von weiblichem Background aber aufblühende Sänger/Gitarrist Dave Tattersall hier in - für seine Verhältnisse - aufgeräumter Stimmung. Insbesondere im Opener Roosevelt Sykes klingt er wie eine Mischung aus David Byrne & Paul Simon. Es wurde erklärtermaßen "live aufgenommen, zu sehr später Stunde auf Reel-to-Reel-Tape - ohne jegliche Art von Computer, angereichert mit Gelächter und Gequatsche." Bewusst unperfekte Gute Laune-Platte mit gewöhnungsbedürftigem Gesang - wie zu erwarten - gerade den naturbelassenen DIY-Touch schätzt man an dieser fähigen E-Folk-Band. Web-Präsenz

LIVE

 

 

pop 02 19 wave pictures roughtrade

Live: 15.3. Zürich, 16.3.Schorndorf , 17.3. Bern, 18.3. Passau, 20.3. Wien.

2 Ähnlich eigen: Connan Mockasin aus Neuseeland - hier im Ensemble Jassbusters mit selbstbetiteltem Album, Nummer drei für den Singer/Songwriter/Instrumentalisten. Die tiefenentspannt-repetitiven Gitarrentracks auf dem ersten Tonträger seit fünf Jahren stellen erklärtermaßen ein Konzept-Album dar: eine `Musiklehrer-Band´ spielt auf, aus der ebenso fiktiven TV-Serie "Bostyn `n Dobsyn" aus der Feder von, richtig: Connan Mockasin. Ein DIY-Filmwerk "20 years in development, shot in 10 days." Die Musik des Albums sollte idealerweise nach Ansicht des Films genossen werden. Doch CM schert sich aktuell wenig um Videos, sondern stellt eher mal eben das ganze Album auf youtube ... Das Nerd-Drumherum muss nicht auf die Goldwaage, die Mucke tritt auf der Stelle, hat aber was. Im März am anderen Ende der Welt unterwegs, in Australien / Japan...* https://www.con-nan.com *

 pop 02 19 jassbusters

Trevor Horn Reimagines The Eighties (feat. the sarm orchestra)

BMG Rights Management / Warner 

1 Trevor Horn hat als stilbildender Musikproduzent bekanntermaßen einige 80er Jahre-Großtaten auf dem Kerbholz, etwa ABCs The Lexicon of Love, Frankie Goes To Hollywoods Welcome to the Pleasuredome oder Grace Jones´ Slave to the Rhythm. Eine ganze Riege bekannter Produzenten & Ton-Ingenieure gingen bei ihm quasi in die Lehre (Hugh Padgham, Steve Lipson, Julian Mendelsohn, Guy Sigsworth, Gary Langan). Mit Anne Dudley erfand er Art of Noise und die Stimmen, die ihm bescheinigen, die 80er (musikalisch) erfunden zu haben, übertreiben nur unwesentlich. Ein solcher Kreateur kann die Epoche wohl auch neu erfinden - mit mehr oder minder großem Selbstironie-Anteil heißt Horns aktuelles Werk also tatsächlich Trevor Horn Reimagines The Eighties. Klar polarisiert es, wenn der Mann Hits der Epoche neue Sänger*innen plus Orchester verpasst. Doch zunächst kann man froh sein, dass hier nicht (wie bei Horns Animé Score-Versuch The Reflection - Wave One) alles in die Hose geht. An zweien der Stücke war Horn zuzeiten eh als Komponist beteiligt, davon singt er Yes´ Owner of a Loney Heart hier kurzerhand selbst (vervielfacht, aber nicht gut). Und ausgerechnet a-ha´s Take On Me, das Morten Harket selbst seinem Falsett kaum noch live zumutet, macht sich Horn per Studiotechnik untertan (sort of - hier knirscht es nicht nur gesanglich erheblich, der Track wird vom Bombast jeglichen Charmes beraubt). Blue Monday klingt dann rumpelig und unausgegoren - ein echter Rausschmeißer. Doch vor diesem schlimmen, wie eilig angehängt wirkenden Schlußdrittel gibt es (wenn auch wenig) Licht: Aus der Riege der Vokalisten (von britischen Newcomern wie Gabrielle Aplin - mit Power of Love-Erfahrung - bis zum lustlosen Robbie Williams) machen etwa Steve Hogarth bei Joe Jacksons It´s Different For Girls (die überraschendste Selektion) oder Jim Kerr bei Brothers in Arms ihre Sache stimmlich ordentlich, ebenso Rumer bei Slave to the Rhythm (das als Ballade ohne Orchesterbreitwand funktioniert hätte). Seal traut sich gar an Bowies Ashes to Ashes und scheitert (bis auf einen einzelnen schlimmen Hall-Effekt) wenigstens nur künstlerisch.

 

pop 02 19 Trevor Horn

http://trevorhorn.com * Visuell hätten wir die große Showtreppe erwartet, aber: nur schnöde Lyric Videos, etwa: Everybody Wants To Rule The World * Fazit - leider: Horn verschlimmbessert - trotz teils fähiger Vokalisten, und ruiniert ein Drittel der Tracks gar. The man´s lost his touch.

Willard Grant Conspiracy - Untethered

Loose Music / Rough Trade

1 R.I.P., Robert Fischer - nicht länger gebunden, Untethered. Das zehnte und letzte Album des um den meist rauschebärtigen Songwriter & Mastermind formierten, im steten Wechsel befindlichen Ensembles Willard Grant Conspiracy hört man mit sehr gemischten Gefühlen. Der Titelsong entstand direkt als Reaktion auf Fischers Krebsdiagnose, nach Abschluß einer Tour im Jahr 2016. Es ging schnell - im folgenden Februar 2017, mit 59, starb Fischer bereits an der tückischen Krankheit. Für das finale Album nahm sich das Umfeld Zeit, maßgeblich Fischers Co-Autor an der Viola, David Michael Curry. Auch hier gibt es die folknahe, düstere Alternative-Country-Americana, mit der Fischers Bariton nebst akustischer WGC-Entourage in den letzten Jahren gerade in Europa eine treue Hörerschaft erspielt hat. In den intimen Liner Notes des Weggefährten Bernie MacKinnon klingt Fischers Faible für die amerikanische Wüste an - ein frühes Album trug den Titel Mojave und mitten im Saguaro-Nationalpark von Arizona fühlte sich der Songwriter schon vor 18 Jahren seinem Schöpfer nah: "I wouldn´t mind having my ashes scattered right here." Da mag es versöhnlich stimmen, dass die Wüste seither noch mehr als ein Dutzend mal blühte. Atmosphärisch, musikalisch. Robert Fischer, "a stubborn live-flower of riotous beauty."

TIPP
 

pop 02 19 willard grant

www.willardgrantconspiracy.com

International Teachers of Pop

Desolate Spools / Rough Trade

Was geht denn hier ab - im Lehrerzimmer? Im Video zu Remedy lassen die International Teachers Of Pop (!TOP) die (mutmaßlich in der großen Pause selbstgebastelten) Puppen tanzen. Dieser erstaunliche Lehrkörper aus Sheffield kann sich sogar erlauben, die dazugehörige B-Side, den herrlich inseldeutsch gesungenen und mit Human League- & Kraftwerk-Reminiszenzen auf die Tube drückenden Remoaner Remix von Pink Floyds Another Brick in the Wall ("Ein weiter Stein in der Wand") nicht einmal mit auf ihr selbstbetiteltes Debütalbum zu nehmen - Steilvorlage hin oder her. Dort werfen die Moonlandingz-Gründer Adrian Flanagan (Eccentronic Research Council) & Dean Honer (All Seeing I/I Monster) nebst Sängerinnen Leonore Wheatley (The Soundcarriers) & Katie Mason mit Melodien geradezu um sich, gekleidet in discoide Giorgio Moroder- & Bobby Orlando-Gedächtnis-Arrangements. Im UK durften Fans das schon verschiedentlich live bestaunen, etwa im Vorprogramm von Jarvis Cocker oder Roisin Murphy - hierzulande tut sich leider noch nichts dahingehend Webpräsenz * After Dark - Video * Live-Termine vorerst (bis zum Herbst) nur im UK. Play Tracks 1-4,6-9.

TIPP

pop 02 19 InTeachersPop!TOP - Diese Teacher!? Bunt & tanzbar - Interstellar - On Repeat!

Edie Brickell & New Bohemians - rocket / John Mellencamp - other people´s stuff

Verve * Republic / beide: Universal

1 In den späten 80ern katapultierte What I Am den Dallas-Act Edie Brickell & New Bohemians in die US-Top Ten. Nach zwei Alben wurde es ruhig um die Band, Brickell heiratete Paul Simon & bekam drei Kinder. Erst 2006 folgte eine Art Studio-Comeback. Zwischendurch und bis heute hatten Band & Sängerin, die fallweise solo, mit dem musikaffinen Hollywood-Komiker Steve Martin sowie den Ensembles The Heavy Circles & The Gaddabouts arbeitet, immer mal wieder miteinander kollaboriert, jedoch, ohne ein Album aufzunehmen. Dies liegt nun vor - Rocket ist (erst) das vierte Studio-Werk der Band - und recht bunt ausgefallen. Es gibt u.a. Disco (What Makes You Happy), Folk-Pop (Superhero) oder Singalong-Reggae (Singing In The Shower). "I get bored listening to a genre-specific record.That doesn´t represent life. We´re exposed to all these different sounds - how can you stick with one flavour?" meint Brickell zur stilistischen Vielfalt. www.ediebrickell.com

 

pop 02 19 edie brickell rocket

2 Denkbar schlicht aufgemacht, als Cardboard-Stecktasche kommt John Mellencamps aktuelles Album in Europa auf den Markt. Seit einem Herzinfarkt in den 90ern tourt Mellencamp fast nur noch in den USA (heuer ebenfalls). Trotz der stilistischen und stimmlichen Nähe seiner Musik zu der des `Boss´ Bruce Springsteen, ist mit dem seit seinen 80er Welt-Hits Jack & Diane oder Hurt So Good in den USA weiter erfolgreichen, folkigen Rocker hierzulande kaum Staat zu machen. Doch Mellencamp schert sich wenig um Other People‘s Stuff und verfährt nach dem Song-Motto des bluesigen Eyes On The Prize. Das stimmige Album bietet noch mehr handgemachten Stoff dieser Güteklasse, zeigt den Sänger durchweg gut bei Stimme und hat mit dem Opener To The River oder Teardrops Will Fall ebenfalls eingängige Tracks mit (Radio-)Hitpotential in petto. www.mellencamp.com

 

pop 02 19 John Mellencamp

Mr Confuse - Only A Man / Lex Audrey - No Intention of changing the world

Confunktion / Godbrain Distribution * Las Vegas Records / Soulfood

1 Break It Loose an der Leine. The hardest working man in Hannover, Funk-DJ-Producer Mr. Confuse, liefert seiner Klientel erklärtermaßen `the finest in Funk - since 1999´ - live im Rahmen der eigenen, vier­tel­jäh­rlich statt­fin­den­den Partyreihe meist in einer Mischung aus Plattenlege-Routine und instrumentalen Live-Features. Sixties- & Seventies-Feeling galore auch auf dem vorliegenden Tonträger Only A Man. Die Spielarten Nu Funk, Funky Break­beat, Ghetto Funk & Boo­gie Edits werden mit elek­tro­ni­schen Beats, Drum n´ Bass & funky Hip Hop-Anleihen aufgemischt. Direkt in die Beine geht dabei die Confunktion-Version des Electro-Boogie-Hammers Let the Music Play (feat. Manoo), die auch leicht verlangsamt funktioniert. Natürlich war schon das `83er-Original von One-Hit Wonder Brenda Shannon Greene nicht von schlechten Eltern - können 10 Millionen Youtube-Views irren? Da hat Confuse mitsamt seiner wechselnden Gast-Vokalisten von Elaine Thomas bis Dan Salem noch Klicks aufzuholen - check out www.mrconfuse.com

 
 

pop 02 19 mrConfuse

 

2 Lex Audrey - der von Lukas Staudinger, Patrick Pillichshammer und Niklas Pichler gewählte Bandname soll für "das genauere Hinsehen" sensibilisieren. „Audrey Hepburn (s.Verlosung 2018/19) - für ihre humanitäre Arbeit kennt sie kaum jemand.“ Für das Trio aus Oberösterreich ist die eigene Musik keine, "die man nebenbei hört“ - zumal die Auswirkungen digitaler Technologie auf die zwischenmenschlichen Beziehungen Thema des Trios sind. Ihr individueller, gelegentlich durch Sänger Niklas Pichler an a-ha erinnernder, gleichwohl mehr auf Elektronik setzender Pop-Entwurf wird visuell beim Debüt No Intention of Changing the World ausgerechnet in ausschließlich gratis erhältliches Stock-Fotomaterial gewandet - auch dieses Konzept inklusive Cover als Kommentar. Der gesellschaftskritische Tenor ist inmitten viel austauschbaren Pop-Gedöns´ willkommen, was noch nicht heisst, dass an dieser Stelle mit dem musikalischen Inhalt besonders gepunktet wurde. Immer wieder wird zugunsten der Melodramatik der Fuß vom Gas genommen, bei NSFL bleibt es dann dankenswerterweise mal uptempo. God Given -Video *

LIVE

pop 02 19 LexAudrey

Die Lex Audrey-Inszenierung: Live im April in Dortmund, Karlsruhe & Wien- Check out www.lexaudrey.com

Charlene Soraia - Where´s My Tribe / Susan Wolf - I Have Visions

Peacefrog / Rough Trade * Jazzhaus Records / in-Akustik

1 Immer noch ist der Zufalls-Werbespot-Treffer, das The Calling-Cover Wherever You Will Go von 2012 Charlene Soraias weitaus erfolgreichster Track. Mit ihrem aktuellen, in ihrer Wohnung im Süden Londons aufgenommenen Album Where´s My Tribe bleibt die Songwriterin ihrer Linie treu - ein Gegenentwurf zur grassierenden Autotune-Manie. Alle Gitarrensounds, die Effekte, der Gesang und die Backgroundvocals auf den Eigenkompositionen gehen auf Soraias Konto. Atmosphärisch ist das stimmig, insbesondere beim Opener - das Songwriting aber bietet auf der Langstrecke wenig Überraschungen. Zum Album entstand in Kooperation mit dem Filmemacherduo The Rest aus Northampton daher der 12-minütige Kurzfilm Tribe inklusive dreier Videos. Play Titel-Track 1. http://charlenesoraia.com * www.peacefrog.com

 

pop 02 19 CharleneSoraya

2 Neue Gitarre und das Pseudonym gegen den Geburtsnamen getauscht. Als Susan Wolf steht die Tiroler Songwriterin & Performerin nun auf den Brettern, die wieder die Welt bedeuten. Obwohl sie zwischenzeitlich unter dem vom Ex übernommenen Künstlernamen Soe Tolloy mit Simply Reds Mick Hucknall, Katie Melua oder Giant Sand auf der Bühne stand, musikalisch aber ohne klare Linie auftrat, war nach einer Erkrankung das Vertrauen in die eigene Kunst weg. Nun arbeitet sie die Vergangenheit auf - mit der vorliegenden dritten und von ihr als eigentliches Debütalbum begriffenen Platte. I Have Visions wurde in Dänemark mit den Multiinstrumentalisten & Arrangeuren Nikolaj Heyman & Peter Dombernowsky (Mark Lanegan, Isobel Campbell) aufgenommen - nicht nur konventionelle Americana, im Opener etwa kommt ein Mellotron zum Einsatz. www.jazzhausrecords.com * http://susanwolf.net/de

Live: Am 10.Mai im Jazzhouse Freiburg, am 12. Mai in Innsbruck.
 

pop 02 19 Susan Wolf

The Putbacks / Cookin on Three Burners - Lab Experiments 2

Hope Street * Soul Messin' Records - beide: Bbe / Alive

1 Funk from `down under´. The Putbacks auf Höhenflug: Melbournes arbeitsame Funk-Rhythmusgruppe Nr. 1 hat erstmalig ein ganzes Album mit knackigen Instrumentals am Start, produziert von Paul Bender (Hiatus Kaiyote). Der selbstbetitelte Longplayer der für ihre 7-inches bekannten Backing Band von Emma Donovan, orientiert sich an den Studio-Bands der 60s & 70s á la The Meters sowie an Jazz- & Funk-affinen Filmkomponisten von David Axelrod bis Lalo Schifrin. Glattpoliert ist das alles glücklicherweise noch nicht, da dürfen die Gitarren vom Grooven auch mal Pause machen und zur Abwechslung psychedelisch-kreischend durch das Unterholz brechen. Gäste am Mikro: Bilal sowie Miguel Atwood-Ferguson. "Super-heavy authentic tones, attitude and feel..." (Lance Ferguson). http://theputbacks.com * live b.a.w. nur down under.

 

pop 02 19 Putbacks

2 Down under, die zweite: Ganz ähnliches Terrain wie die Kollegen der Putbacks beackert ja Cookin' on 3 Burners, das härtest-arbeitende Orgel-Trio Australiens. In dessen Studio köcheln aktuell acht neue Lab Experiments (Vol. 2). Auf dem gleichnamigen neuen Album servieren die Melbourner Lokalmatadoren Dan West (git), Ivan `Choi´ Katchoyan (dr) & Hammond-Organist Jake Mason wie gehabt Soul, Boogaloo & Dance-Floor-Funk - flankiert & garniert von vier sich abwechselnden Gesangs-Gästen: Neo-Soul-Sänger Kaiit, Simon Burke, Kylie Auldist und der in Chicago geborenen, aber in Melbourne tätigen Fallon Williams. Der mittlerweile im zweiten Laborlauf nach 2017 gut ausgereifte Cookin' on 3 Burners´-Retro-Sound dürfte weitere Abnehmer finden - wenn denn auch hierzulande für regelmäßige Gigs gesorgt wäre. www.cookinon3burners.com * Live vorerst nüscht...

pop 02 19 Cookin3Burners

Minor Majority - Napkin Poetry / Chain Wallet - No Ritual

Phd Music * Jansen Records / Membran

1 In den letzten Jahren hatten sich die fünf folkrockpoppigen Norweger von Minor Majority nach hübschen Erfolgen auch in Deutschland eher auf den heimischen Markt beschränkt. Sänger & Mastermind Pal Angelskar, stimmlich an den seligen Gerry Rafferty erinnernd, hat nach zwei Solo-Alben die Truppe rechtzeitig zum 20-jährigen Bandjubiläum nun für das vorliegende Album mit Napkin Poetry wieder zusammengetrommelt. Aus gemeinsamen Proben anlässlich ihres stets ausverkauften jährlichen Konzerts in Oslo kamen zu langjährigen Favoriten neue Songs, die die Spellemann-Prisen-verwöhnten Skandinavier mit dem vertrauten Händchen zwischen ihre Vorbilder James Taylor & Neil Young(´s Crazy Horse) einsortieren. Angelskars Duette mit Marie Munroe oder Linnea Dale sorgen für zusätzliche Abwechslung, auch wenn der ganz große Wurf hier fehlt. https://minormajority.no * Live weiter nur auf der heimischen Scholle.

 
 

pop 02 19 MinorMinority

2 Norwegen die zweite: Shoegaze aus der Niederschlagsmetropole des Landes, aus Bergen. Dementsprechend spielen die einheimischen Chain Wallet auf ihrem zweiten Album No Ritual auch Dream Pop reinsten (Regen-)Wassers. Die Achtziger-Anleihen, die eingängigen, sich öfters gleichenden Melodien, die breitwandigen Gitarren, die melodramatischen, schwer verhallten Vocals. Kennt man als Zeit-Augen- & Ohrenzeuge alles, zur Genüge, kommt dennoch in heutigen, gut sortierten Spotify-Wiedergabelisten offenbar gut an. Bevor es auf Albumlänge zu eintönig wird, haben sich die findigen Norweger die FOAMMM-Shoegazer-Kollegin Chiara Cavallari als dankbaren Gast auserkoren: "Her ethereal presence is fortunately scattered all over the album." Webpräsenz

 

pop 02 19 chain wallet

© cinesoundz 2019