STRUT Label-Sixpack - 2020 Highlights 02-21

 


 

1 slideful STRUT

An dieser Stelle wurde verschiedentlich eine Lanze gebrochen für Strut, Quinton Scotts seit 2008 mit zweitem (K7-)Atem furios wiederbelebtes Label für Musik mit reichlich schwarzer Seele - Afrobeat, Karibisches, Funk, Jazz und Artverwandtes - oft als sorgfältig editierte Re-Issues & Compilations. 
 

Auch das Artist Roster spricht für sich:.......Sun Ra Arkestra, Mulatu Astatke, Patrice Rushen, Souljazz Orchestra, Pat ThomasSeun Kuti, Grandmaster Flash u.v.a.

 Idris Ackammor & The Pyramids - Shaman!

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT IdrisAcckamoor

Wie eine Hommage an Mati Klarweins legendäre Cover für Miles Davis´ essentielle 1970er Alben Live Evil und Bitches Brew: Tokio Aoyamas psychedelisch-tropische Pop Art, exklusiv für Idris A´s Shaman! (CD-Booklet als fold-out Mini-Poster). * Strut-Soundlink *

."Clicked for the cover art, stuck around for the chill ass vibes." (Youtube-Hörer-Kommentar). * We Be All Africans Rezension 2016 *

TIPP
 

Den Auftakt fürs Label-Special mit sechs Highlights aus dem vergangenen Jahr, (abseits der bekanntesten Strut-Säulen) macht das neue Album des aus Chicago stammenden Saxofonisten, Dichters und Songwriters Bruce Baker aka Idris Ackamoor mit seinen Pyramids-Sidemen. Nicht umsonst ist IA auch Co-Leader der San Franciscoer Performance Truppe Cultural Odyssey - auf eine solche begibt sich der Sax-Veteran auch mit Shaman!, einem in vier Akte unterteilten Konzeptalbum, das sich mit Liebe & Verlust, dem Jenseits, Familie & Erlösung befasst. Insbesondere das eindringliche, 8-minütige When Will I See You Again, das das unvermittelte Verschwinden Angehöriger & Freunde beklagt, entwickelt im Pandemie-Jahr geradezu einen Sog. Musikalisch arbeitet sich das Kollektiv unter Ackamoors Führung am Erbe des um 1970 seiner Zeit weit voraus aufspielenden Ensemble um Visionär Miles Davis ab: mit Spoken Word- (eingedenk Conrad Roberts´ Inamorata-Monolog am Ende von Live Evil), Space- & Spiritual Jazz-Passagen sowie  starker Betonung des Afrobeat-Herzschlags. Eine intensiv-energetische Black is beautiful-Stunde, in der auch das Last Slave Ship sein Fett wegbekommt.

onipa - we no be machine

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT Onipa

Savanna Bass - heiß, aber nicht staubtrocken. Onipa bedeutet "Mensch" in Akan, der Sprache der ghanaischen Ashanti. Sissala-Texte aus dem Norden des Landes gibt es aber auch auf die Ohren. * Strut-Soundlink *

Onipa - Webpräsenz

TIPP
 

Afro-futuristische Elektro-Grooves feuert der gemischte Nubiyan Twist-Ableger Onipa aus den Rillen seines Debüts We No Be Machine ins Publikum. London meets Ghana: KOG aka Kweku von KOG & the Zongo Brigade (Vocals, Balafon & Percussion), Songwriter & Gitarrist Tom Excell & Drummer Finn Booth (beide Nubiyan Twist) sowie Dwayne Kilvington von Wonky Logic am Synthesizer stehen mit ihrem Projekt für Highlife-Gitarren & Afro-Grooves, gepaart mit traditionellen Chants, Elektronik und treibender Percussion. Ein tanzbarer Hybrid-Sound, flugs `Savanna Bass´ getauft für das erste Album We Be No Machine, verpackt in orange leuchtendes Wüstendünen-Design. Alle vier haben bzgl. Produktion mitgemischt, Gastbeiträge kommen vom ghanaischen Percussionisten Afla Sackey, Brit-Rapper Syntax, Spoek Mathambo (Südafrika) oder den Zawose-Sisters aus Tansania. "Wir nutzen Technologie, aber sie sollte nie das Kommando übernehmen. Unsere Musik ist live - es geht um tiefe menschliche Verbindungen." Hörer, denen hier zuviel Konzept mitschwingt, können auch einfach nur zu den federnden Klängen tanzen. Denn bis zum Live-Check des selbstbewussten Quartetts könnte es hierzulande noch dauern...

greg foat - symphonie pacifique

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT Gerg Foat

Symphonie Pacifique - Den Albumtitel lieferte das gleichnamige Gemälde des in Algier geborenen französischen Künstlers Henri Valensi (1883-1960), das (in einem Ausschnitt) auch als (CD- & Doppel-LP-)Cover fungiert (in Gänze als Fold-out-Poster im Digipak). * Strut-Soundlink *

TIPP
 
Auch breiter orchestrierter Jazz hat seinen Platz bei Strut. Das jüngste Album des britischen Jazzpianisten Greg Foat präsentierte das Label im Sommer 2020. Diese Symphonie Pacifique kommt zwar mit einem Prelude (und abschließendem Epilogue) daher, der an zweiter Stelle folgende Titeltrack macht dann aber klar, dass statt sinfonischer Strukturen auf einzelne abgeschlossene Stücke gesetzt wurde. Duncan Lamont, ein Veteran der britischen Library Music-Szene, in der auch Foat seine Meriten erworben hat, verstarb leider kurz vor den Aufnahmesssions in der Londoner Fish Factory, so gibt es hier nur die Hommage Lament for Lamont. Alle Musiker zu nennen würde hier den Rahmen sprengen. Das verlässliche Rhythmusduo aber sei genannt: Drummer & Zara McFarlane-Produzent Moses Boyd (auf 9 Tracks) mit dem eigentlich als Harmonica-Virtuosen bekannteren Phil Achille am akustischen wie elektrischen Bass. Achille steuert - wie Pedal Steel-Gitarrist Thomas Frank - zudem eines der zwei nicht von Foats komponierten Stücke bei. Der Ensembleleader bringt neben seinen (sparsam eingesetzten) Markenzeichen Harfe, Tubular Bells sowie (im schwedischen Göteborg aufgenommene) Chorstimmen auch (Bossa-)Gitarre, ein Streichquartett und diverse Blasinstrumente zum Einsatz, etwa für eine pazifische Gewitterstimmung (Before/After The Storm). Exotica-Anklänge, sinfonische Programm-Musik und Jazz als Bausteine einer durchweg fein instrumentierten Hommage an das Island Life südlicher Breitengrade.

cadence Revolution 2

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT CadenceEs grünt so grün... schnell noch die Label-Conga wegrollern. Der tropischen Disques-Debs-Leistungsschau zweiter Teil mit Tracks von 1973-1981.

* Strut-Soundlink * Rezension An Island Story 1969-1972 *

TIPP
 

Und diesbezüglich hatte auch die französischsprachige Karibik musikalisch einst mehr zu bieten, als hierzulande gemeinhin bekannt. Teil 1 der Aufarbeitung der Archivbänder von Disques Debs International, dem am längsten laufenden und produktivsten Label der französischen Karibik, wurde an dieser Stelle 2018 ausführlich belobigt - nun liegt endlich der zweite Teil (von mindestens dreien) vor, der das Spotlight auf den Cadence-Sound der französischen Antillen in den Seventies lenkt. Diese kreolisch `Kadans´ getitelte pankaribische Tanzmusik dominierte als. Zouk-Vorläufer in den Clubs insbesondere von Guadeloupe & Martinique und gemeindete großzügig Stilelemente von Calypso (zum eher sperrigen Cadence-Lypso), Reggae (vor allem von der englisch geprägten Nachbarinsel Dominica), Salsa, Jazz, Disco sowie heimischem Gwo Ka & Biguine in wechselnden Anteilen ein. Zusammengestellt wurden die Tracks von legendären Antillen-Acts wie Les Vikings, Super Combo oder Galaxy einmal mehr von Hugo `Sofrito´ Mendez & Emile Omar (Radio Nova), die auch erneut für ein amtliches Booklet mit erhellenden Liner Notes sowie unveröffentlichten Fotos aus dem Debs-Nachlass gesorgt haben. Die Compilation endet vorläufig mit dem Jahr 1981 - da geht also noch was, bis die Rückschau (ggf als Trilogie) zunächst abgeschlossen ist. 

  oneness of juju - african Rhythms 1970-1982

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT OnenessJuju

Cover-Illu: Matt Thame/Studio Auto. Nur schade, dass es beim 28-seitigen Booklet der Doppel-CD mit den Original-2001´er-Liner Notes von Chris Menist und vielen s/w-Fotos aus Plunky Branchs Fundus nicht mehr für die grafische Gestaltung der Rückseite gereicht hat (zumal auch die Innenseite des Inlays weiß bleibt) * Strut-Soundlink

TIPP
 

Die Neuauflage einer Compilation aus dem Jahr 2001 (und damit noch aus der ersten Labelphase ohne Einbindung in die K7-Gruppe) ist unser nächster Tipp. Im letzten Frühsommer als neu gemasterte Doppel-CD (oder Dreifach-LP) herausgebracht: der ausführliche Überblick über das Schaffen von Oneness of Juju von 1970 bis 1982. Das beste Pferd im Stall des bis in die 90er aktiven Black Fire-Labels aus Washington, D.C. durchlief als Black Music-Kollektiv unter der Leitung von Mastermind Plunky J. Branch (Tenor Sax & Vocals) verschiedene Kreativ-Phasen an den Standorten San Francisco, New York & Richmond, Virginia. Dabei variierten die originär afrikanischen Elemente im Sound der Band: Anfangs, in der West-Coast-Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Exil-Jazzer Ndikho Xaba, ging es schon politisch darum, in einem afrikanischen Spirit zu musizieren. Später gewannen beim US-Live-Publikum populäre Funk- und R'n'B-Anteile die Oberhand, wie am klassischen Album African Rhythms nachzuvollziehen, dessen meisterlicher Titeltrack die Compilation eröffnet. Laut Plunky Branch hat dies, wie auch die folgende Hinwendung zu Soul-Jazz "nichts an unserer Botschaft geändert":
"African Rhythms keep us together."

alostmen - kologo

Strut - K7 / Indigo

catalog 02 21 STRUT Alostmen

Speiseölkanister statt Kalebasse als Resonator: Alostmen-Frontmann Stevo Atambire mit seiner gepimpten Kologo-Laute. Live @ Kaneshi Market-Filmstills auf dem von Lewis Heriz gestalteten Cover. Mit im Bild die restlichen Alostmen Jo(seph) Ajusiwine (Goje-Geige, Vocals), Aminu Amadu (Dondo-Talking Drum) & Ga-Percussionist Abednego Sowah Ako (Gome-Box, Djembe & Conga) * Strut-Soundlink * Alostmen-Label-Site

TIPP
 
Und noch einmal Afrika: West-Afrika, Ghana. Aus dem Nordosten des Landes stammt die Kologo-Musik, gespielt auf der gleichnamigen, zweisaitigen Kalebassen-Laute. Schon der Großvater von Stevo Atambire spielte das traditionelle Instrument, dessen minimalistisch-rhythmischer Sound auch heute in der von Stevo gegründeten Straßenmusiktruppe mit dem sprechenden Namen Alostmen den Ton angibt. Nach Zusammentreffen und diversen Jams mit Fok'n Bois-Mastermind Wanlov The Kubolor 2008 begann das Ensemble, nicht mehr nur auf regionalen Hochzeiten & Begräbnissen aufzutreten, sondern in ganz Westafrika zu touren - und Cassetten für den ghanaischen Markt aufzunehmen. Für das vorliegende Album nahm WTK mit einer mobilen Studioeinheit diverse Basistracks von Steve & Co live und in Hotelzimmern auf, die durch Gastbeiträge anderer ghanaischer Kollegen wie Rihanna-Viola-Player Francis Norman, Saxophonist Gyedu-Blay Ambolley (als Vokalist), Rapper Yaa Pono oder Hip Hopper Medikal veredelt wurden. Co-Produzent Percy Yip Tong aus Mauritius schließlich stellte mit dem 2017 für Kool Kreol Ghana entstandenen Album in Händen den Kontakt zu Strut her, die das Werk für seine internationale Premiere noch durch den Mixer des Londoner Produzenten DrumTalk jagten.
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